Dezember

Chet Baker Trio mit Philip Catherine und Riccardo del Fra



„…, dass ich international ‚Karriere‘ gemacht habe, ist zum großen Teil Chets Verdienst. Die Musik, die ich heute schreibe oder spiele – ob Jazz-Standards oder neue Kompositionen -, ist von den Begegnungen mit Chet geprägt. Mein Verhältnis zu ihm lässt sich, glaube ich, mit dem vergleichen, was Dave Liebman über seine Erfahrungen mit Miles gesagt hat: In seiner Gruppe zu spielen und mit ihm auf Tour zu gehen, war ein echter Gewaltakt, der physische, psychische und moralische Stärke erforderte. Aber dafür wurde ich mehr als entschädigt. Chet war als Mensch von ungewöhnlicher Eleganz, anspruchsvoll, intelligent und großzügig. Ein Künstler im wahrsten Sinne des Wortes, ein mutiger Mensch und ‚jünger‘ als all seine Altersgenossen.“

Chet Baker

So äußerte sich der italienische Bassist Riccardo Del Fra (geb. 1956) in dem 1993 erschienenen Buch „Chet Baker in Europe“ (Nieswand). Andere Partner des legendären Trompeters haben Chet Baker (1929 – 1988) trotz seines erratischen Lebenstils ähnlich beschrieben. Chet war Anfang der 50er-Jahre im pianolosen Quartett von Gerry Mulligan in Kalifornien bekannt geworden. Schon bald wurde er nicht nur als gefühlvoller Instrumentalist sondern auch als Sänger gefeiert, der mit seiner androgynen Stimme und seinem blendenden Aussehen alle Voraussetzungen eines zukünftigen Superstars mitbrachte. Doch leider warfen massive Drogenprobleme diesen damals als James Dean des Jazz bezeichneten Mann immer wieder zurück. Nach einem Comeback entschloss Baker sich 1975, nach Europa zu gehen, wo er bis zu seinem bis heute nicht restlos aufgeklärten Tod im Jahr 1988 lebte.

Philip Catherine und Riccardo del Fra

Seine bevorzugte Besetzung war das Trio, wobei er meist ohne Schlagzeug, dafür regelmäßig mit Kontrabass und Gitarre oder Piano, spielte. Während seiner 13 Jahre in Europa, in denen Baker wie ein Jazz-Nomade umherreiste, gehörte seine Zusammenarbeit mit Del Fra und Philip Catherine (geb. 1942) zu den herausragenden.

Gitarrist Philip Catherine, Sohn einer Engländerin und eines Belgiers, gehört zu den Musikern, die sich auch auf der US-Jazzszene durchsetzen konnten. Er spielte mit Larry Coryell, mit Charles Mingus und allen wichtigen Musikern aus den USA und Europa. Sein Ton auf der Gitarre ist sehr individuell, sein Stil reicht vom Fusion bis zum Straight-Ahead-Jazz. Natürlich ist Catherines berühmter Landsmann Django Reinhardt eine seiner Inspirationsquellen.

Sein inspirierender Rhythmus-Partner Riccardo Del Fra ist als Bassist des modernen Mainstream, aber auch stark als Komponist von Filmmusiken in Erscheinung getreten.

Anspieltipp:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.