Meine Basis des Jazz in 20 Platten

Eine Teilnehmerin meines letzten Jazz-Kurses an der Volkshochschule Braunschweig bat mich, doch zu sagen, was die „zehn besten Jazzplatten“ seien. Meine spontane Antwort darauf war, das sei unmöglich. Die Bitte ging mir aber nicht mehr aus dem Kopf. Ich habe im Internet recherchiert und Bücher gewälzt. Tatsächlich gibt es viele Veröffentlichungen, die die „zehn, 20 oder 100 besten“ Jazzplatten auflisten oder zu besonderen Aufnahmen raten. Ich versuchte, Gemeinsamkeiten zu finden, also zu zählen, wie oft bestimmte Aufnahmen in den Listen auftauchen. Unter den ersten sind immer Miles’ „Kind Of Blue“ und Coltranes „A Love Supreme“, danach aber verlieren sich die Gemeinsamkeiten mehr oder weniger.

Ich denke, es kommt darauf an, wie man sich solch einer Aufgabe nähert. Es ist ein Unterschied, ob ich eine Liste meiner Lieblingsplatten mache, oder ob ich einen die Entwicklung des Jazz reflektierenden Katalog erstelle. Ich habe mich zu letzterem entschlossen, um der Bitte meiner um Orientierung ringenden Teilnehmerin zu folgen.

„Meine Basis des Jazz in 20 Platten“ ist Diskussionsgrundlage. Jeder meiner Vorschläge soll ein Ausgangspunkt für weitere Entdeckungen sein. Von John Coltrane könnte der Weg zu Eric Dolphys „Out To Lunch“ führen, vom „Cole Porter Songbook“ der großen Ella zu Sarah Vaughan mit Clifford Brown oder von „Bitches Brew“ zu Chick Coreas „Return To Forever“. Meine „Basis“ könnte auch der Anfang einer kleinen oder großen Jazzsammlung sein.

Hier sind meine Vorschläge in chronologischer Reihe:

Louis Armstrong – The Best of the Hot Five and Hot Seven Recordings (1925 – 27, Columbia)

Die wahre Geburt des Jazz.

Benny Goodman – Carnegie Hall Concert (1938, Columbia)

Eine Bestandsaufnahme des Jazz bis 1938 mit bedeutenden Künstlern.

Duke Ellington – Ellington at Newport 1956 (1956, Columbia)

Duke zeigt mit seinem Orchester nach einer künstlerischen Durststrecke, wo der Hammer hängt.

Billie Holiday – The Centennial Collection (1935 – 1945, Columbia)

Lady Day in ihrer ersten produktiven Phase.

Django Reinhardt – Peche á la mouche (1947 – 1953, Barclay/Verve)

Django, erst fest im Swing verwurzelt und schließlich den Bebop auf der elektrischen Gitarre ausforschend.

The Best of Gerry Mulligan Quartet with Chet Baker (1952 – 1953, Blue Note/Capitol)

Mulligan und Baker begründen ihren speziellen West-Coast-Jazz ohne Harmonieinstrument in der Rhythmusgruppe. 

Charlie Parker, Dizzy Gillespie, Bud Powell, Charles Mingus, Max Roach (The Quintet) –
Jazz at Massey Hall (1954, Debut) 

Die Bebop-Granden um Charlie Parker und Dizzy Gillespie im “Greatest Jazz Concert Ever”.

Art Blakey Quintet – A Night At Birdland (1954, Blue Note)

Blakey und Horace Silver legen mit Clifford Brown den Grundstein für den Hard Bop und die langlebigen Jazz Messengers.

Ella Fitzgerald – The Cole Porter Songbook (1956, Verve)

“The First Lady Of Song” in einer beispielhaften Produktion. 

Count Basie Orchestra – The Atomic Mr. Basie (1957, Roulette)

Das Count Basie Orchester mit atemberaubendem Swing-Feeling.

Thelonious Monk Quartet with John Coltrane at Carnegie Hall (1957, Blue Note)

Der Fund dieser Aufnahmen vor ein paar Jahren war deshalb eine Sensation, weil die Zusammenarbeit dieser zwei Giganten vorher nicht angemessen dokumentiert war.

Miles Davis – Kind of Blue (1959, Columbia)

Die meistverkaufte Jazzplatte aller Zeiten. Qualität setzt sich eben doch manchmal durch.

Charles Mingus – Mingus Ah Um (1959, Columbia)

Mingus mit Soul, Traditionsbewusstsein und revolutionärem Geist.

Dave Brubeck Quartet – Time Out (1959, Columbia)

Das Dave Brubeck Quartett mit einem der größten Hits des Jazz. 4/4-Takt grundsätzlich verboten!

Ornette Coleman – The Shape Of Jazz To Come (1959, Atlantic)

Ornette auf der Schwelle zum freien Jazz.

Bill Evans Trio – Sunday at the Village Vanguard  (1961, Riverside) 

Bill Evans transzendiert das Piano-Trio auf eine neue Ebene.

Stan Getz/Joao Gilberto – Getz/Gilberto (1962, Verve)

Das Flaggschiff der Bossa Nova.

Sonny Rollins – Sonny meets Hawk (1963, RCA)

Der noch junge Gigant trifft auf den Vater des Tenorsaxophons.

John Coltrane – A Love Supreme (1964, Impulse)

Tranes Meisterwerk ist seine Hymne an göttliche Kraft.

Miles Davis – Bitches Brew (1969, Columbia)

Mit Bitches Brew machte Miles seinen nächsten Schritt und löste die Fusion-Welle aus.

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