Sweet Clifford

Mein Freund Walter Kuhlgatz erzählte mir kürzlich, dass er zusammen mit Marcel Reginatto ein Konzertprogramm zum Andenken des großen Clifford Brown vorbereite. Ein Anlass für mich, an diesen legendären Trompeter zu erinnern. Brownie, wie er liebevoll genannt wurde, starb am 26.06.1956 im Alter von nur 25 Jahren bei einem Autounfall. Sein Tod gilt bis heute als die schlimmste Tragödie des Jazz. Er war die größte Trompeten-Hoffnung in den 50er-Jahren. Clifford Brown war, anders als so viele andere der Musiker des modernen Jazz hochprofessionell. Er trank nicht, geschweige denn griff er zu anderen Rauschdrogen. Zu Auftritten oder Aufnahmesitzungen erschien er frühzeitig und gründlich vorbereitet. Sein freundliches, fürsorgliches Wesen machte ihn überall beliebt. Es soll niemanden gegeben haben, der jemals etwa schlechtes über ihn gesagt hätte. Er war in jeder Hinsicht ein Vorbild.

Leitbild für seine Nachfolger

Sein brillantes, ideenreiches, volltönendes Spiel beeinflusst bis heute viele Trompeter, die ihm folgten: Lee Morgan, Freddie Hubbard, Woody Shaw, Terence Blanchard oder Wynton Marsalis. Wenn auch seine Laufbahn (zu) kurz war, hat er doch einiges an Aufnahmen und Kompositionen hinterlassen, die seine Meisterschaft zeigen. Bei Blue Note und Pacific Jazz sind richtungsweisende Platten entstanden, die zusammengefasst in einer CD-Box vorliegen. Besonders zu nennen sind sicher die beiden Platten, die mit Art Blakey 1954 im „Birdland“ entstanden. Diese Band wurde zur Keimzelle der späteren „Jazz Messengers“.

Foto: T. Geese

https://www.allmusic.com/album/a-night-at-birdland-vol-1-mw0000011362

Der legendäre Birdland-Ansager Pee Wee Marquette kündigte ihn als „The New Trumpet Sensation“ an.

Die erste Supergroup des modernen Jazz: The Clifford Brown-Max Roach Quintet

Seine tiefsten Spuren hinterließ er als Co-Leader des „Clifford Brown–Max Roach Quintetts“. Die Aufnahmen dieser Supergroup des Jazz, zu der neben dem Master-Drummer Roach unter anderem (nacheinander) die Tenorsaxophonisten Harold Land und Sonny Rollins gehörten, sind vollständig dokumentiert in der Box „Brownie – The Complete EmArcy Recordings of Clifford Brown“.

Foo: T. Geese

https://www.allmusic.com/album/brownie-the-complete-emarcy-recordings-of-clifford-brown-mw0000202523

Dazu gibt es noch Sitzungen mit den Sängerinnen Dinah Washington, Helen Merrill und Sarah Vaughan sowie „Clifford Brown with Strings“.

Von dieser großartigen Musik an der Schnittstelle von Bop und Hard Bop kann man sich viele Stunden inspirieren lassen und sich die müßige Frage stellen, wie sich dieser Gigant noch entwickelt hätte.

Benny Golsons Epitaph: „I Remember Clifford“

Benny Golson setzte mit seinem viel gespielten Epitaph „I Remember Clifford“ Brownie ein Denkmal für alle Zeit. Roy Hargrove (auch viel zu früh gegangen) spielt das Stück hier auf dem Flügelhorn.

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