Booker Ervin & Horace Parlan

Complete 4tet/5tet/6tet Recordings

Es ist Zeit, mit einem CD-Tipp auf zwei Heroen des Hard Bop zu zeigen: Booker Ervin und Horace Parlan. Das spanische Label Phono hat auf drei CDs die fünf Platten herausgebracht, die die beiden Anfang der 60er Jahre bei unterschiedlichen Firmen als Team veröffentlicht haben. Anders als so oft bei derartigen Editionen durch Zweitverwerter, ist man hier äußerst sorgsam vorgegangen. Im 32 Seiten starken Begleitheft befinden sich ein einleitender, kundiger Text, dann alle Original-Liner-Notes mit den Coverabbildungen, tolle Fotos der beteiligten Musiker und saubere diskografische Angaben. Der Klang ist sehr gut.

Foto: T. Geese

Booker Ervin, Tenorsaxophonist aus Texas, war ein vor Energie berstender, stark vom Blues durchtränkter Musiker. Er passte wie die Faust aufs Auge zum Konzept von Charles Mingus, bei dem er mit Horace Parlan spielte. Beide sind auf der berühmten Platte „Mingus Ah Um“ vertreten. Bookers schneidender Ton ist unverwechselbar. Er war ein Prediger mit seinem Horn. Wie bei vielen mächtigen Tenoristen, strahlt sein Spiel starke Autorität aus. Selbst Menschen mit erst wenig Hörerfahrung müssten ihn identifizieren können. Er war zuerst stark von Dexter Gordon beeinflusst, mit dem er die Platte „Setting The Pace“, Prestige, aufnahm. Leider starb Booker Ervin schon 1970 im Alter von 39 Jahren an Nierenversagen.

Das Video zeigt Booker Ervin in einer All-Star-Besetzung. Die Band spielt „Milestones“ von Miles Davis.

Pianist Horace Parlan erreichte dagegen ein hohes Alter. Er starb mit 86 Jahren in seiner Wahlheimat Dänemark. Er hatte 1973 den USA den Rücken gekehrt und war nach Kopenhagen gegangen. Parlan hatte als Kind Polio. In der Folge konnte er seine rechte Hand nur eingeschränkt einsetzen. Aus der Not machte er eine Tugend. Sein bluesorientiertes Spiel war sparsam, stark swingend und sehr individuell. Ich hatte das Glück, diesen liebenswürdigen Mann einige Male live zu erleben, zweimal in Kopenhagen, zweimal in Braunschweig. Sein Auftritt in der dortigen „Baßgeige“ ist mir deshalb besonders in Erinnerung geblieben, weil Gastwirt Bolle ihm stolz seine Parlan-Blue-Notes zeigte. Sie bestaunten sie zusammen. Eine Freude!

Ein ganzer Dokumentarfilm über den wunderbaren Horace Parlan.

Zwei der bei „Blue Note“ erschienenen Platten befinden sich in der hier empfohlenen Box, nämlich „Up and Down“ (1961) und „Happy Frame Of Mind“ (1963). Auf beiden spielt der große Grant Green die Gitarre.

Foto: T. Geese
1975 brachte Michael Cuscuna in der Reihe „The Blue Note Reissue Series“ zwei bis dahin unveröffentliche Sessions mit Booker Ervin heraus. Eine davon war „Happy Frame Of Mind“, die später noch einmal mit einem typischen Blue-Note-Cover erschien.

Die anderen in die Box aufgenommenen LPs sind die unter Bookers Namen veröffentlichten „Cookin‘“ (Savoy, 1960), „That‘s It“ (Candid, 1961) und „Exultation“ (Prestige, 1963).

Eine wertvolle Edition. Besorgen!

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