Januar 2022

The John Coltrane Quartet

1960 war John Coltrane ein gefeierter Star des modernen Jazz. Einige Jahre war er der Tenorsaxophonist in den Miles-Davis-Bands der 50er-Jahre. Als dessen Sideman, aber auch als Partner von Thelonious Monk und mit zahlreichen Platten unter eigenem Namen hatte er sich einen großen Namen als neue Stimme des Tenorsaxophons gemacht.

Trane, so wurde er genannt, trennte sich von Miles, da er mit einer eigenen Band seine Ideen umsetzen wollte. Schon längere Zeit hatte er den Pianisten McCoy Tyner im Blick, dem er eine Zusammenarbeit bereits zugesagt hatte. Wegen anderer Verpflichtungen Tyners klappte das erst im Juni 1960. Tyner, damals 21 Jahre alt, wurde ein wesentlicher Ankerpunkt der Coltrane-Gruppe. Seine linke Hand sorgte für abwechslungsreiche, hämmernde Akkorde und garantierte fortan unbeirrbar im mitunter scheinbaren Chaos für Orientierung. Im September des Jahres stieß endlich Tranes Wunsch-Schlagzeuger dazu. Elvin Jones, der jüngste dreier Brüder, die tiefe Spuren im Jazz hinterlassen haben, wurde einer der wichtigsten Drummer des Jazz seit den 60er-Jahren. Kein anderer hat seitdem einen derartigen Einfluss ausgeübt. Seine Kreuzrhythmen, seine außerordentlich dynamische und mehr als kraftvolle Stilistik waren gleichzeitig Herausforderung und Resonanz für seinen inbrünstig spielenden Bandleader. Die Suche nach einem Bassisten, der Coltrane ins Konzept passte, nahm längere Zeit in Anspruch. Trane, der inzwischen das Sopransaxophon als sein Zweitinstrument entdeckt und international im modernen Jazz durchgesetzt hatte, experimentierte mit einigen Top-Bassisten der Szene, setzte teilweise zwei gleichzeitig ein, um schließlich im November 1961 mit Jimmy Garrison „seinen“ Mann zu finden. Der feurige Garrison fiel durch flamenco-artige akkordische Begleitung auf. Er war der Band ein zuverlässiges und abenteuerlustiges Fundament. Dazu besaß er die notwendige Ausdauer, den oftmals einstündigen Improvisationen Coltranes zu folgen.

Diese Band Coltranes ging als das „The Classic Quartet“ in die Jazzgeschichte ein. Bis Ende 1965 blieb sie zusammen. Die Nachwelt streitet darüber, ob sie zur damaligen Avantgarde des Jazz gehörte. Wer insbesondere die zahlreichen Live-Mitschnitte des Quartetts hört, wird feststellen, dass ihre Musik Grenzen sprengte, neue Maßstäbe für Energie setzte, die völlige Befreiung von Harmonie und Time jedoch vermied. Elvin Jones und McCoy Tyner verließen Coltrane, als er sich mit Haut und Haar der Avantgarde verschrieb und die Leitfigur des ekstatischen Free Jazz wurde. Garrison ging diesen Weg mit dem Meister bis zu dessen Tod im Jahr 1967 mit.

Jones und Tyner hüteten mit ihren eigenen Bands die Flamme des legendären klassischen Quartetts.

Das John Coltrane Quartett zu Gast bei Jackie Gleason in der Reihe „Jazz Casual“.

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