A Great Day in Harlem – Ein Foto mit Geschichte(n)

„Terminal“ – Viktor Navorski trifft Benny Golson

Viktor Navorski reist nach New York, um den letzten Willen seines verstorbenen Vaters zu erfüllen. Bei sich trägt er eine Dose, in der sich ein Foto befindet, das als „A Great Day in Harlem“ in die (Jazz-)Geschichte eingegangen ist. Navorski sen. hatte die Autogramme derjenigen 57 Musikerinnen und Musiker gesammelt, die sich im August 1958 vor einem typischen „Brownstone“ im New Yorker Stadtteil Harlem ablichten ließen. Nur eine Unterschrift fehlt noch – die des damals jungen und nun (2004) betagten Tenorsaxophonisten Benny Golson. Doch Viktor hat Pech. Ein Umsturz in seiner osteuropäischen Heimat Krakovia führt dazu, dass sein Pass ungültig wird, und er nun weder den Flughafen verlassen noch nach Krakovia zurückkehren kann.

Die von Steven Spielberg gedrehte Komödie „Terminal“ mit Tom Hanks als Viktor Navorski zeigt, wie Viktor sich ein Jahr lang im Kennedy-Airport durchschlägt und schließlich den Flughafen verlassen kann:

Legendäres Foto – Viele Dokumentationen

Das Foto – auch „Harlem 1958“ genannt – hat eine gut dokumentierte Geschichte.

Kurz zusammengefasst: Der junge Art Director Art Kane hatte die Idee, für eine Jazz-Ausgabe der Zeitschrift Esquire ein Foto mit möglichst vielen Jazzmusikerinnen und -musikern zu machen. Die Redaktion informierte Plattenfirmen und die Musikergewerkschaft über den Termin und machte Mundpropaganda. Besonders Art Kane hoffte darauf, dass möglichst viele der Nachteulen an diesem heißen Augusttag um 10 Uhr morgens in die 126. Straße kommen würden. Und sie kamen: 57 mehr oder weniger berühmte Jazzstars, jung und alt; darunter Giganten wie Count Basie, Lester Young, Coleman Hawkins, Rex Stewart, Dizzy Gillespie, Pee Wee Russell, Mary Lou Williams, Thelonious Monk und Young Lions wie Sonny Rollins, Gerry Mulligan, Art Farmer, Charles Mingus oder Benny Golson.

Foto: T. Geese

Das Buch zum 60. Jubiläum

In dem wunderbaren Buch „Art Kane – Harlem 1958“, das 2018 als „The 60th Anniversary Edition“ herauskam, schildern Quincy Jones, Benny Golson, Art Kane und dessen Sohn Jonathan Kane, der Herausgeber des Bandes, die chaotischen Umstände, die schließlich zu dem Foto führten. Viele der Musiker hatten sich lange nicht gesehen, freuten sich, zusammen zu kommen und waren nur schwer zu bewegen, sich in einer fotogerechten Formation aufzustellen. Das Buch zeigt in überragender Qualität zahlreiche Fotos, die die Stunden dokumentieren, bis das Bild im Kasten war. Alle MusikerInnen werden in Kurzbiografien porträtiert. Ein anregendes Sammlerstück!

Art Kane machte anschließend als Fotograf eine große Karriere.

„The Guardian“ hat mit einer schön gestalteten Seite im Dezember 2018 das Buch vorgestellt.

Dieser Beitrag aus dem US-Fernsehen (CBS This Morning) geht ebenfalls auf das 60. Jubiläum ein:

Ein Dokumentarfilm mit vielen Zeitzeugen

1994 entstand unter der Regie von Jean Bach ein sehenswerter Dokumentarfilm, der viele Zeitzeugen zu Wort kommen lässt. Man kann ihn bei YouTube in voller Länge mit vielen Bonusszenen ansehen.

Foto: T. Geese

Ein Kinderbuch? Auch, aber auch eines für alle Fans.

Ein hinreißendes Bilderbuch (in etwa DIN-A-4-Format) unter dem Namen „Jazz Day – The Making of a Jazz Photograph“ ist der Autorin Roxane Orgill und dem Illustrator Francis Vallejo gelungen.

Foto: T. Geese

Die Bildszenen porträtieren in verbürgten Geschichten einige der beteiligten Künstlerinnen und Künstler, aber auch die Kinder, die vor den Stars auf dem Bordstein sitzen und vorher allerhand Schabernack getrieben hatten. Alle Texte sind als Gedichte verfasst. Der Band enthält biografische Porträts der besonders herausgestellten Jazzstars wie auch das legendäre Foto zum Ausklappen.

Wenn auch als Kinderbuch deklariert: Alle Jazz Buffs, egal wie alt, werden sich darüber freuen.

Der große Benny Golson

Sehen wir zum Schluss auf den großen Benny Golson. 1958 war er am Beginn seiner Karriere. Der Tenorsaxophonist wurde musikalischer Leiter von „Art Blakey’s Jazz Messengers“ und gründete das sehr erfolgreiche „Art Farmer – Benny Golson Jazztet“. Er ist einer der großen Themen-Komponisten des Jazz und der letzte mir bekannte Überlebende der Gesellschaft auf dem Foto. Öffnet man seine Website, was ist wohl als erstes zu sehen?

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