Spotlight auf Miles und Trane

– Ihre Zusammenarbeit zwischen 1955 und 1960 –

Foto: Far Out / Public Domain / Tony Williams / Picry

Vorbemerkung:

Am 23.07.2026 habe ich im Rahmen eines Sommerprogramms der Volkshochschule Braunschweig einen „Spotlight“-Kurs gegeben, der die Zusammenarbeit von Miles Davis mit John Coltrane beleuchtete. Natürlich waren ihre Geburtstage Anlass dazu, die sich 2026 zum 100. Mal jähren. Der nachfolgende Text ist angelehnt an den Inhalt des erwähnten Kurses.

Die hilfreichsten Informationen, die mir die Vorbereitung ermöglichten, stammten im wesentlichen aus folgenden Publikationen:

1. Wilson, Peter Niklas: Miles Davis – Sein Leben – Seine Musik – Seine Schallplatten. Waakirchen (Oreos) 2001
2. Dombrowski, Ralf: John Coltrane – Sein Leben – Seine Musik – Seine Schallplatten. Waakirchen (Oreos) 2002
3. Porter, Lewis: John Coltrane – His Life and Music. The University of Michigan 2020
4. Porter, Lewis (Hg.): The John Coltrane Reference, New York 2013

Viele Angaben zu den zeitlichen Abfolgen habe ich dem Booklet der 2000 erschienenen CD-Box entnommen: Miles Davis & John Coltrane – The Complete Columbia Recordings 1955 – 1961.

Miles, der Meister – Trane, der Geselle

Miles Davis war bereits ein anerkannter Jazz-Künstler, als er im September 1955 John Coltrane für sein neu gegründetes Quintett engagierte. Er hatte seine Lehrzeit in der Band des Altsaxophonisten und Bebop-Innovators Charlie „Bird“ Parker hinter sich und sich bereits mit den „Birth of the Cool“-Aufnahmen ein immerwährendes Denkmal gesetzt.

John Coltrane – obwohl nur ein paar Monate jünger als Miles – war nur wenigen Insidern bekannt. Er hatte zwar seit 1947 grundlegende Erfahrungen mit Rhythm and Blues und Bebop in den Bands von Eddie „Cleanhead“ Vinson und Dizzy Gillespie gesammelt, dann aber als Sideman von Earl Bostic, Johnny Hodges und Gay Crosse unauffällig sein Geld verdient.

Der große Vertrag mit Columbia

Miles hatte einige Jahre als Vertragskünstler von Prestige-Records hinter sich, Platten unterschiedlicher Bedeutung aufgenommen und vor allem – nach mehreren Versuchen – endlich seine Heroinsucht besiegt. Er unternahm energische Anstrengungen, beim Newport Jazz Festival 1955 auftreten zu können, obwohl er nicht frühzeitig gebucht war. Eine eigene Band hatte er nicht, so dass Festivalleiter George Wein schließlich bereit war, ihn im Kreis einer All-Star-Band zu präsentieren. Angekündigt durch den großen Duke Ellington kamen mit Miles auf die Bühne: Zoot Sims, Tenorsaxophon, Gerry Mulligan, Baritonsaxophon, Thelonious Monk, Piano, Percy Heath, Bass, und Connie Kay, Schlagzeug. Diese sehr prominent besetzte Jam-Band spielte erst ein unauffälliges „Hackensack“ von Monk. Anschließend kam die Ballade „‘Round Midnight“, die Miles mit Monk, ihrem Komponisten, vortrug. Diese Interpretation schlug ein wie eine Bombe. Auf einen Schlag war Miles die Sensation dieses hochrangig besetzten Festivals und im Gespräch der Jazz-Öffentlichkeit. Direkt nach dem Auftritt kam George Avakian, Produzent beim Major-Label Columbia auf Davis zu und sondierte, wie er Miles unter Vertrag nehmen könne. Für den war klar, dass das seine Chance war, in den Jazz-Olymp aufzusteigen. „Hey, George, sign me up“, ist der berühmte Satz, der die über Jahrzehnte dauernde Zusammenarbeit mit Columbia begründete, die Miles zu einem reichen Mann und einem mehr als einflussreichen Künstler machte.

‘Round Midnight (Monk)  – Jam-Session Newport-Festival, 17.07.1955; Miles, Thelonious Monk, p, Percy Heath, b, Connie Kay,


Eine wesentliche Bedingung: Die „Working Band“.

Doch es waren noch einige Hürden zu nehmen, damit der Kontrakt zustande kommen konnte. Miles war vertraglich bis einschließlich 1956 an Prestige gebunden und hatte die Verpflichtung, noch vier LPs für das Label aufzunehmen. Erst nach Ende des Vertrags war Columbia berechtigt, Aufnahmen von Miles Davis zu veröffentlichen. Miles sollte eine feste „Working-Band“ aufstellen und sich professionell managen lassen. Columbia sorgte dafür, dass sich fortan ein Manager um seine künstlerischen und ein weiterer um seine wirtschaftlichen Angelegenheiten kümmerte.

Miles hatte bereits damit begonnen, eine Band aufzustellen. Der Tenorist seiner Wahl war Sonny Rollins. Rollins allerdings zog sich eine Zeit aus der Szene zurück, um seine eigene Heroinsucht loszuwerden (was ihm auch dauerhaft gelang). Schlagzeuger „Philly“ Joe Jones empfahl ihm John Coltrane, den er aus der gemeinsamen Heimatstadt Philadelphia kannte. Coltrane kam zu Proben nach New York, aber zwischen Miles und ihm wollte es (noch) nicht richtig klappen. Er kehrte nach Philadelphia zurück, wo er sich dem Organisten Jimmy Smith anschloss, der kurz darauf ein neuer Star des Jazz werden sollte. Doch Miles brauchte Trane, weil er schon einige Auftritte seiner neuen Band vereinbart hatte. „Wir mussten ihn praktisch anbetteln, damit er sich der Band anschloss“, so Miles später. Miles sagte weiterhin, dass er sich Coltranes erst nicht sicher war, „aber schneller, als ich es mir vorstellen konnte, war die Musik, die wir spielten, schlicht unglaublich“.

Miles: „But after we started playing together for a while, I knew that this guy was a bad motherfucker who was just the voice I needed on tenor to set off my voice. …The group I had with Coltrane made me and him a legend.“

Das erste „klassische“ Miles Davis Quintett bestand neben Miles und Trane aus Red Garland, Piano, Paul Chambers, Bass, und „Philly“ Joe Jones, Schlagzeug.

Die Zusammenarbeit von Miles und Trane sollte bis in das Jahr 1960 andauern. Es wäre jedoch falsch anzunehmen, dass die beiden über diesen Zeitraum pausenlos aneinander klebten. Es gab vielmehr zahlreiche Unterbrechungen. Davis löste die Band mehrfach auf oder warf Musiker – auch Coltrane – heraus, um sie mehr oder weniger kurz darauf wieder einzustellen. Zwischenzeitlich verfolgte er – genauso wie Trane – eigene Projekte.

Nach dem Vertragsabschluss ging Miles nur noch zweimal als Sideman für einen anderen Leader ins Studio (Adderleys „Something Else“ für Blue Note, „Legrand Jazz“ für Columbia). Die Musiker seiner Bands allerdings nahmen an zahlreichen Plattenaufnahmen als Leader und Sidemen für unterschiedliche Label teil.

Interessant ist, dass viele Aufnahmen erst Jahre nach ihrer Entstehung auf den Markt kamen. Prestige zum Beispiel brachte einige Hard Bop – Platten erst heraus, als Coltrane stilistisch bereits ganz andere Richtungen eingeschlagen hatte oder veröffentlichte die in den legendären Marathon-Sitzungen entstandenen Quintett-Aufnahmen, als die Band längst aufgelöst war. Atlantic verfuhr mit den Coltrane-Produktionen genauso. Genauso erschienen später Platten, bei denen Coltrane eigentlich lediglich Sideman war, verschiedentlich unter seinem Namen. Vermarktung ist eben auch im Jazz bedeutsam. Menschen, die sich heute für diese Musik interessieren und der goldenen Vergangenheit nachforschen, sollten das berücksichtigen.

Sehen wir uns in einem groben Überblick an, was mit Miles und Trane in den Jahren passierte.

1955 – Erste Aufnahmen des Quintetts

Coltrane schließt sich dem Quintett am 27. September an. Es besteht neben Miles und ihm aus Red Garland, Piano, Paul Chambers, Bass, und “Philly” Joe Jones, Schlagzeug.

Am 26. Oktober geht die Band für erste Aufnahmen für Columbia ins Studio (die am 18. März 1957 unter dem Titel „Round About Midnight“ veröffentlicht werden).

Am 16. November entsteht für Prestige (April 56 erschienen) die erste Aufnahme des neuen Quintetts unter dem Titel „Miles“.

Stablemates (Benny Golson), 16.11.1955 Quintett – Album: “The New Miles Davis Quartet

In den beiden letzten Monaten des Jahres tritt das Quintett im TV auf, es gibt eine Radioübertragung in Philadelphia, außerdem gastiert die Band zwei Wochen in Chicago.

1956: Die Band wird zur Top-Gruppe des modernen Jazz

Salt Peanuts (Gillespie), 18.02.1956, live Pasadena Civic Auditorium, Erstveröffentlichung 2005, Luxusausgabe des ersten Columbia-Albums „Round About Midnight“


Nach einer West-Coast-Tour im Januar und Februar folgen zahlreiche Club-Gigs in und um New York. In zwei – heute berühmten – Marathon-Sitzungen entstehen am 11. Mai und am 26. Oktober die Aufnahmen für vier Alben, die Prestige sukzessive zwischen 1958 und 1961 auf den Markt bringen wird: „Cookin’…“ (Juli 1957), “Relaxin’…“ (März 58), “Workin’…“(Dezember 59) , “Steamin’ with the Miles Davis Quintet“ (Juli 61). Davis lässt die Band wie im Club eine Nummer nach der anderen spielen. Es gibt nur „First Takes“; einige Studiodialoge der Musiker werden nicht herausgeschnitten. Die Musik wirkt dadurch spontan und authentisch.

Von Juni bis August gibt es fast tägliche Clubauftritte, mehrere Wochen in Chicago und St. Louis, schließlich folgt ein langes Engagement im Cafe Bohemia, New York.

Die zweite Session für Columbia folgt am 10. September, die letzten für Prestige am 26. Oktober.

‘Round Midnight (Monk), 10.09.1956
Quintett – Album: “Round About Midnight”

Nach einer Pause (Miles weilt u. a. in Europa) reaktiviert Davis die Band im Dezember, es folgen Auftritte in Washington und Chicago.

1957: Bahnbrechende Veränderungen

Im Januar und Februar macht das Quintett eine fünf-wöchige West-Coast Tour (Jazz City, Blackhawk), im April beginnt ein dreiwöchiges Engagement im Café Bohemia, New York. Während dieses Engagements kommt es zum Eklat: Miles ist der ständigen Unzuverlässigkeit von Coltrane und „Philly“ Joe Jones überdrüssig. Beide sind nicht mehr Herr ihrer Heroinsucht. Im Streit boxt Miles Coltrane in den Magen. Er feuert Coltrane und Jones.

Das stellt sich als Rettung Tranes heraus: Er zieht sich nach Philadelphia zurück und schafft es, seine Heroin- und Alkoholsucht durch einen kalten Entzug zu besiegen. (1964 beschreibt er im Covertext von „A Love Supreme“ in diesem Zusammenhang ein Erweckungserlebnis, das ihn zu einem anderen Menschen und Musiker gemacht habe.)

Noch im selben Monat unterschreibt Coltrane einen Vertrag bei Prestige, der bis 1959 gelten wird. Er nimmt in diesem Zeitraum bei der Firma als Leader und Sideman an 27 Sessions teil und nimmt dabei 125 Stücke auf.

Im Mai kommt es für Davis zu einer Erneuerung der Zusammenarbeit mit Gil Evans (beide waren bereits Partner bei „Birth of the Cool“): “Miles Ahead” entsteht für Columbia, eine Art Suite in größerer Besetzung. Miles soliert an Trompete und Flügelhorn.

Miles Ahead (Davis, Gil Evans), 10.05.1957 – Miles & Gil Evans Orchester; Album: „Miles Ahead“

Am 31. Mai nimmt der von seinen Süchten befreite Trane seine erste Platte als Leader auf: “Coltrane”, die später als “The First Trane” wiederveröffentlicht wird.

Bakai (Coltrane), 31.05.1957; Coltrane, Johnnie Splawn, tp, Sahib Shihab, bs, Red Garland, p, Paul Chambers, b, Al Heath, dr



In der Folge beginnt Coltrane eine enge musikalische Beziehung mit Thelonious Monk, die ab Juli zu einem sechs-monatigen gemeinsamen Engagement im New Yorker „Five Spot“ führt. Jazzkritik und Publikum nehmen die Arbeit des Quartetts um den „High Priest of Bop“ als Sensation auf. Coltrane setzt sich neben Sonny Rollins als der Top-Tenorist des modernen Jazz durch. Sein technisch virtuoses Spiel gestattet es ihm jetzt, Akkorde auf dem Saxophon und rasend schnelle Tonfolgen und Cluster zu spielen, die als „Sheets of Sound“ in die Jazzgeschichte eingehen.

Trinkle, Tinkle (Monk), Juli 1957; Coltrane, Monk, p, Wilbur Ware, b, Shadow Wilson, dr – Album: „Thelonious Monk with John Coltrane“


Eine Handschlag-Vereinbarung mit Alfred Lion (und dem Einverständnis von Bob Weinstock von Prestige) führt zu Tranes einziger Blue-Note-Aufnahme als Leader mit den Namen “Blue Train”. Selbst aus der Unzahl hervorragender Produktionen, die bei Blue Note entstanden, ragt diese Platte heraus. Ein Meilenstein des Hard Bop.

Im November und Dezember weilt Miles in Europa und nimmt u. a. in Paris den Soundtrack zu “L’Ascenseur pour l’Echafaud” (Fahrstuhl zum Schafott) von Louis Malle auf.

Ende Dezember stellt Davis stellt seine Band als Sextett neu auf. Zu der Ursprungsbesetzung kommt der Altsaxophonist Cannonball Adderley. Coltrane ist nun auf Augenhöhe mit Miles. Seine wöchentliche Gage beträgt jetzt $ 400, damals ein Topgehalt für einen Sideman.

1958: Das neue Sextett bekommt Konturen

Nach Club-Auftritten in New York nimmt das Sextett am 04. Februar und am 04. März die LP „Milestones“ auf. Das Titelstück ist das erste mit einer modalen Improvisationsstruktur. Miles hatte dieses Prinzip bereits bei der Improvisation des Soundtracks in Paris angewendet. Später wird es bei „Kind of Blue“ zur Vollendung gebracht.

Milestones (Davis), 04.02.1958 – Miles, Cannonball Adderley, as, Coltrane, ts, Red Garland, p, Paul Chambers, b, Philly Joe Jones, Album: „Milestones“

Zwischen März und Mai kommt es zu wesentlichen Veränderungen in der Besetzung. Zuerst wird Red Garland gefeuert und durch den (weißen) Bill Evans ersetzt, außerdem verlässt Jones die Combo. Sein Nachfolger wird Jimmy Cobb.

Am 26. Mai nimmt das Miles Davis Sextett eine Seite der LP “Jazz Track” auf. Die andere Seite enthält den Soundtrack zu “L’Ascenseur pour l’Echafaud”. Die Platte wird im November 1959 auf den Markt gebracht.

Miles und Trane nehmen in einer All-Star-Besetzung am 25. Mai an “Legrand Jazz” teil, einer Columbia-Platte mit Arrangements von Michel Legrand.

Am 3. Juli tritt das Sextett beim Newport Jazz Festival auf. Erst 1964 bringt Columbia den Live-Mitschnitt als “Miles and Monk at Newport” sowie 2015 in einer Box mit verschiedenen Newport-Aufnahmen von Miles heraus.

Im September gibt es einen Auftritt bei einer Party von Columbia, der 1963 als “Jazz at the Plaza” veröffentlicht wird.

Im November verlässt Bill Evans die Band, weil er sein eigenes Trio aufbauen will. Außerdem ist er den „umgedrehten“ Rassismus leid, der ihn als einzigen weißen Musiker der Band im Blick hat. Er wird erst durch Red Garland und schließlich durch Wynton Kelly ersetzt.

Im ganzen Jahr ist die Band in Clubs beschäftigt.

1959: Das Jahr von „Kind of Blue“ und „Giant Steps“

Nach Club-Engagements in New York, Chicago und San Francisco nimmt das Sextett am 02. März die erste Hälfte von “Kind of Blue” auf. Miles hat dafür noch einmal Bill Evans als Pianisten verpflichtet, der eine Schlüsselrolle bei dieser ersten Platte des „modalen Jazz“ spielt. „Kind of Blue“ wird zur meistverkauften Platte des Jazz bis heute.

Blue in Green Miles Davis, Bill Evans), 26.05.1958 – Miles, Coltrane, Adderley, Bill Evans, p, Paul Chambers, b, Jimmy Cobb, dr; Album: „Kind of Blue“


Am 02. April tritt die Band – ohne den erkrankten Adderley – zusammen mit dem Gil Evans Orchestra in einem TV-Special auf (Robert Herridge Theater). Einige Tage später nimmt sie die restlichen Stücke von “Kind of Blue” auf.

Video: So What (Miles Davis)

Am 04. und 05. Mai geht Coltrane ins Studio, um seine erste Platte als Leader für seine neue Firma Atlantic aufzunehmen. „Giant Steps“, die nur eigene Kompositionen enthält, wird im Januar 1960 veröffentlicht. Spätestens mit diesem Werk, an dem sich weltweit Musiker abarbeiten, ist Trane der Superstar des Tenorsaxophons.

Von Mai bis Juli folgen zahlreiche Clubauftritte. Coltrane, der vermehrt mit eigenen Formationen Auftritte sucht, verlässt die Band und wird durch seinen Freund Jimmy Heath ersetzt.

Im August kehrt Coltrane für zwei Wochen für ein Engagement im Birdland zurück. Am 25. August ereignet sich ein Vorfall, der den damaligen Rassismus der USA selbst im liberalen New York deutlich macht: In einer Set-Pause geleitet Miles eine (weiße) Frau aus dem Club und raucht draußen noch eine Zigarette. Ein zivil gekleideter Polizist fordert ihn auf, weiter zu gehen. Miles’ Antwort, dass er in dem Club arbeite, interessiert den Cop nicht. Er ruft Uniformierte herbei, die Miles mit Knüppeln schlagen und festnehmen. Das führt zu einem Skandal und zu einer Desillusionierung des Trompeters, der eigentlich die Hoffnung hatte, die Zeiten würden sich zum Besseren ändern.

Am 16. September verlässt auch Cannonball die Band, der sich sehr erfolgreich selbständig macht. Anschließend gibt es noch zahlreiche Club-Gigs als Quintett, an denen Coltrane sporadisch teilnimmt.

Im November beginnt Miles Davis mit den Aufnahmen zu  “Sketches of Spain”, seinem nächsten Soloprojekt mit Gil Evans..

1960: Eine letzte gemeinsame Tour durch Europa

Im Februar kehrt Coltrane nach einer weiteren Unterbrechung in die Band zurück. Miles engagiert zusätzlich den Vibraphonisten Buddy Montgomery.

Trane, der seine eigene Band will, lässt sich von Miles überreden, vom 21. März bis zum 10. April an einer Europa-Tournee teilzunehmen. Einige Konzerte während der Tournee werden von Rundfunkanstalten aufgenommen und erscheinen immer wieder als Bootlegs. Erst 2018 veröffentlicht CBS-Sony offiziell alle bekannten Aufnahmen in einer Box mit dem Titel „The Final Tour“. John Coltrane, der ausufernd lange Chorusse spielt und freie Tongebilde streift, wird vom Publikum kontrovers – besonders in Paris – beurteilt. Von enthusiastischem Beifall bis zu nicht überhörbarem Missfallen reicht das Spektrum.

Bye, Bye Blackbird (Ray Henderson, Mort Dixon), 21.03.1960, Olympia Paris; Davis, Coltrane, Wynton Kelly, p, Paul Chambers, b, Jimmy Cobb, dr; Album: „Miles Davis & John Coltrane – The Final Tour, The Bootleg Series Vol. 6, 2018


Außerdem entstehen Aufnahmen für das deutsche Fernsehen, an denen Davis allerdings nicht teilnimmt.

Video: On Green Dolphin Street (Bronislau Kaper, Ned Washington); Band ohne Miles; „Musik in Streifen – Das John Coltrane Quartett“, WDR, 28.03.60 Düsseldorf


Nach der Tour verlässt Coltrane endgültig die Band, um seine eigene Band zu gründen.

Danach probiert Miles mehrere Tenoristen als Ersatz für Trane aus, z. B. Sonny Stitt und Hank Mobley.

Ein letztes Mal nimmt John Coltrane am 20. und 21. März 1961 an einer Plattenaufnahme von Miles Davis teil, an “Someday my Prince will Come”.

Danach

John Coltrane stellte sein „Classic Quartet“ zusammen, das bis 1965 zusammen war und (bis heute) für Furore sorgte. Anschließend wandte er sich konsequent dem Free Jazz zu. Er starb 1967 an Leberkrebs.

Miles arbeitete für Plattenprojekte mit Gil Evans zusammen. Einen echten Nachfolger für Coltrane fand er erst 1964 mit Wayne Shorter. Mit ihm, Herbie Hancock, Ron Carter und Tony Williams formte er sein zweites legendäres Quintett. Mit „Bitches Brew“ leitete Miles den Fusion- bzw. Rock-Jazz ein. Bis zu seinem Tod 1991 hatte er noch einige Comebacks mit sich immer wandelnder Stilistik.

Und noch etwas:

Wer genau wissen möchte, weshalb Miles und Trane nach ihren Soli die Bühne verließen, sollte Eddie Jefferson hören. Der erklärt es genau. Anschließend singt er das „So What“-Solo von Miles nach – und huldigt ihm.

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