Thelonious Monk

Als Thelonious Sphere Monk im Februar 1982 im Alter von 64 Jahren starb, hinterließ er 71 Kompositionen. Er selbst war ihr bester Interpret. Allerdings verstummte dieser exzentrische Individualist des Jazz-Pianos schon in der 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Seinen letzten öffentlichen Auftritt hatte er 1976 beim Newport Jazz Festival. Die finalen Jahre verbrachte Monk in Apathie, augenscheinlich unter schweren Depressionen leidend, unter der Obhut seiner Frau Nellie und seiner Mäzenin Nica de Koenigswarter in deren Haus in New Jersey.
High Priest Of Bop
Monk wurde Anfang der 40er Jahre eine führende Figur des damals revolutionären Bebop. Mit dem Trompeter Dizzy Gillespie, dem Altsaxophonisten Charlie Parker und dem Schlagzeuger Kenny Clarke bildete er so etwas wie eine Keimzelle des neuen Jazz. Betrachtet man nur seinen humorvollen Pianostil, entdeckt man neben schrägen Akkorden, häufigen Variationen immer wiederkehrender Motive und leichten Dissonanzen stets auch Rückgriffe auf den Stride-Stil der 30er Jahre. Nur wenige andere Pianisten wie z. B. Herbie Nichols, Randy Weston oder Alexander von Schlippenbach bezogen sich direkt auf stilistische Eigenheiten Monks. Der pianistische Einfluss seines Zeitgenossen Bud Powell auf andere Kollegen war ungleich größer.
Große Bedeutung für die Avantgarde
Monks Bedeutung allerdings für die Musiker der Jazz-Avantgarde der 60er Jahre war immens. Eric Dolphy, Ornette Coleman und John Coltrane – alle Saxophonisten – sind Beispiele dafür.
Für viele Musiker der 50er Jahre war Monk ein Lehrer. Anhand seiner ebenso komplexen wie originellen Kompositionen „unterrichtete“ er sie oft vom Bett seiner New Yorker Wohnung aus. John Coltrane lernte dort die Monkstücke in- und auswendig, um dann 1957 einige Monate im als Sensation wahrgenommenen Quartett Monks im New Yorker Five Spot aufzutreten.
Blue Note, Prestige, Riverside
Monks Karriere mit Aufnahmen unter eigenem Nahmen begann 1947 bei Blue Note. Alfred Lion und Francis Wolff, die Inhaber dieses wichtigsten aller Jazzlabel, präsentierten ihn als „Genius of Modern Music“ auf mehreren noch heute modern klingenden Platten. Wegen mangelnder Verkaufszahlen entließen sie ihn 1952 schweren Herzens aus dem Vertrag. Für zwei Jahre war nun Prestige sein Label, bei dem er sowohl als Sideman bei Miles Davis und Sonny Rollins als auch unter seinem Namen herausragende Aufnahmen machte. Trotzdem, die Produktionsbedingungen passten dem „High Priest of Bop“ nicht. Orrin Keepnews von „Riverside Records“ kaufte ihn aus dem Vertrag und produzierte in den kommenden Jahren einzigartige Platten wie „Brilliant Corners“, „The Unique Thelonious Monk“ oder „Thelonious Alone in San Francisco“. Mit diesen sorgfältig produzierten Aufnahmen erwarb Monk endlich die ihm gebührende künstlerische Anerkennung.
Weltstar des Jazz bei Columbia
Zum gut bezahlten Weltstar wurde er, nachdem ihn das Major-Label Columbia 1961 unter Vertrag genommen hatte. Columbia präsentierte Monk vorwiegend im Quartett-Format, in dem der Tenorsaxophonist Charlie Rouse neben dem Chef eine zentrale Rolle spielte. Rouse war der ideale Interpret von Monks Musik und blieb ihm bis zu dessen Verstummen verbunden. Die Zusammenarbeit mit Columbia endete 1968, nachdem die Plattenfirma kommerzielle Aufnahmen von Monk verlangte. Man stelle sich vor: „Thelonious Monk Plays The Beatles“.
Viele von Monks Kompositionen sind in den Kanon des Jazz übergegangen: „Well, You Needn’t“, „Blue Monk“, „Pannonica“, „In Walked Bud“, „Ruby My Dear“ oder natürlich die größte Ballade des Jazz, „‘Round Midnight“.
Alexander von Schlippenbach führte mehrfach mit der Band „Die Enttäuschung“ unter dem Titel „Monk’s Casino“ in einem abendfüllenden Programm alle 71 Monk-Stücke auf. Hinreißend – und auf CD erhältlich. Eine angemessene Würdigung des großen Monk.
