September 2026

John McLaughlin

„Wenn man den Blues aus dem Jazz herausnimmt, dann bleibt nicht viel übrig. Then it’s gone!“, sagt John McLaughlin in einem Interview, das das Magazin „JazzThing“ im September 2025 veröffentlichte. Das sagt viel über diesen Gitarren-Heroen, dessen verblüffende Vielseitigkeit häufig zu wenig Beachtung findet.

McLaughlin, 1942 in der Grafschaft Yorkshire geboten, verdiente sich die Sporen bei britischen Blues- und Jazzmusikern wie Georgie Fame, Brian Auger und Graham Bond. Mit dem Baritonsaxophonisten John Surman, dem Bassisten Brian Odges und dem Schlagzeuger Tony Oxley legte er 1969 die LP „Extrapolation“ vor, die einiges vorwegnahm, was den Jazz in den nächsten Jahren umkrempeln sollte. Hier kamen Blues- und Rockelemente ebenso zum Tragen wie Anklänge an den freien Jazz. Bis heute gilt „Extrapolation“ als eine der besten europäischen Jazzplatten überhaupt.

McLaughlin ging in die USA und nahm dort mit großem Einfluss an den ersten Fusion-Produktionen teil: In der Band des Miles-Davis–Schlagzeugers Tony Williams mit dem Namen „Lifetime“ und auf dessen Empfehlung an „In A Silent Way“ und, natürlich, an „Bitches Brew“ mit Miles Davis. Erste erfolgreiche Solo-Alben des Gitarren-Innovators erschienen in den USA und in der Folge gründete er das „Mahavishnu Orchestra“. „Mahavishnu“ John McLaughlin hatte Alkohol und Drogen abgeschworen, sich für eine (bis heute) gesunde Lebensführung entschieden und sich dem spirituellen Lehrer Sri Chinmoy angeschlossen. Das Mahavishnu Orchestra war eine laute Band, in der McLaughlin seine hymnische Gitarre mit sattem Blues-Sound in wahnwitzigen Improvisationen mit der Geige Jerry Goodmans verschmolz, die vom Schlagzeug Billy Cobhams angetrieben wurden. Alles war der Spiritualität gewidmet. Den Weg dazu hatte John Coltrane gewiesen. Hätte er gelebt, mit McLaughlin hätte er einen kongenialen Partner gefunden. In dieser Zeit machte McLaughlin eine gemeinsame LP mit Carlos Santana und dem Titel „Love, Devotion and Surrender“, auf der sie Teile der Love-Supreme-Suite Coltranes interpretierten.

Als das Mahavishnu Orchestra nach drei Jahren ausgebrannt war, blieb John den indischen Einflüssen treu, stieg auf die akustische Gitarre um und bildete mit großem Erfolg die Band „Shakti“. Es entstand eine Symbiose aus Jazz und klassischer indischer Musik. Diese Band ließ er immer wieder aufleben, widmete sich aber stets auch anderen Formationen. Das aus ihm und den Gitarristen Al DiMeola und Paco De Lucia gebildete Akustik-Trio hatte einen Riesenerfolg beim Publikum. Leider litt dabei die musikalische Qualität beizeiten unter zu viel fingerfertiger Demonstration überragender Spieltechnik.

In den 90er Jahren bildete er mit dem Hammond-Organisten Joey DeFranceso und dem Schlagzeuger Dennis Chambers die großartigen „The Free Spirits“ mit heißem swingend groovenden Jazz. Meine Lieblings-CD des Meisters stammt aus dieser Zeit. Sie heißt „After The Rain“; für Chambers sitzt Elvin Jones am Set und das Trio spielt vorwiegend Stücke aus dem Repertoire John Coltranes. Welch eine Würdigung!

Noch etwas zur Vielseitigkeit McLaughlins: Im besten Jazz-Spielfilm aller Zeiten, „Round Midnight“ von 1985, spielt er Bop in der Hausband des Pariser Jazzclubs „Blue Note“ und begleitet Dale Turner (gespielt von Dexter Gordon).

Heute lebt der Gigant in Monaco, wohin er junge Musikerinnen und Musiker einlädt, um mit ihnen im Strandrestaurant „La Note Bleue“ zu spielen. Ab und an holt er aus dem Semi-Ruhestand seine Band „The 4th Dimension“ zusammen.

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