Charles Mingus

„MDM (Monk, Duke & Mingus)“, „Duke Ellington’s Sound of Love“ oder „Open Letter to Duke“ sind Kompositionen des Bassisten und Bandleaders Charles Mingus. Mingus war ein glühender Bewunderer Duke Ellingtons. Duke und der Bebop von Charlie „Bird“ Parker waren Eckpfeiler seiner Musik. Er sympathisierte mit den modalen und freien Spielarten des Jazz, ohne je die Wurzeln seiner Tradition, des Blues und Gospel zu kappen. Dieses Bekenntnis lässt sich auch in den Titeln einiger seiner Kompositionen ablesen. „Wednesday Night Prayer Meeting“ oder „Jelly Roll“ sind Beispiele dafür. Neben Ellington und Thelonious Monk ist Mingus zweifellos der bedeutendste Komponist des Jazz.
Charles Mingus Jazz Workshop
Seine Formationen, die seit den 50er Jahren oft als „Charles Mingus Jazz Workshop“ firmierten, erzeugten durch seine geschickten Arrangements auch in kleineren Besetzungen die Illusion eines Big-Band-Sounds. Tempowechsel, aber auch Tempobeschleunigungen wie -verschleppungen (untypisch im Jazz) waren charakteristische Stilmerkmale. Wie im traditionellen Jazz arbeitete er gern mit Kollektivimprovisationen. Einige Musiker waren mit ihm eng verbunden, wie z. B. Eric Dolphy, Booker Ervin, Jaki Byard, Jimmy Knepper und besonders der Schlagzeuger Dannie Richmond, mit dem er scheinbar telepathisch verkoppelt war. Dabei ging der Choleriker Mingus weder mit ihnen noch mit Kritikern, Veranstaltern oder seinem Publikum schonend um. Seine exzessiven Wutausbrüche waren ebenso legendär wie gefürchtet. Doch wie es bei vielen Cholerikern der Fall zu sein scheint, schlug ein warmes Herz in seiner Brust.
Lebensthema: Unterdrückung der Schwarzen in den USA
Mingus (geb. 1922) wuchs im afro-amerikanischen Stadtteil Watts von Los Angeles auf. Die übliche Rassendiskriminierung und der Kampf dagegen wurden ein Lebensthema. Spätere Kompositionen reflektierten das: „Remember Rockefeller at Attica“ oder das berühmte, beißend satirische, „Fables of Faubus“. Mingus lernte erst Cello und Posaune, dann Bass und wurde in den Vierziger Jahren schnell zu einem gesuchten Musiker. Sein Profil als Bandleader schärfte er in den 50er Jahren, als er seine eigene Plattenfirma „Debut“ betrieb und mit zahlreichen Aufnahmen, die er auch für „Atlantic“, „Columbia“ und „RCA“ machte. Platten wir „Pithecanthropus Erectus“, „The Clown“, „Mingus Ah Um“, „Mingus Dynasty“, „Tijuana Moods“ sind Klassiker des modernen Jazz, ebenso wie die in den 60ern für „Impulse“ entstandenen Werke „Mingus-Mingus-Mingus“ und „The Black Saint and the Sinner Lady“.
Autobiografie: Beneath The Underdog
Einige Zeit wurde es ruhig um Mingus, er litt unter Depressionen. Nach der Veröffentlichung seines autobiografischen Buchs „Beneath the Unterdog“ (dt. etwa: „Noch unter dem Hund“) im Jahr 1971 – einem teilweise verstörenden, surrealistischen Werk – trat er wieder vermehrt in Erscheinung. Sein neues Quintett mit dem Pianisten Don Pullen und dem Tenoristen George Adams machte mit Konzerten und Plattenveröffentlichungen („Changes I & 2“) Furore. Andere erfolgreiche Produktionen erschienen, doch Mingus erkrankte schwer an einer fortschreitenden Muskellähmung und konnte zuletzt nur noch im Rollstuhl bei den Aufnahmen zugegen sein. Er starb 1979 in der mexikanischen Stadt Cuernavaca, wo er vergeblich Hilfe bei einer Heilerin gesucht hatte.
