Carmen McRae

Carmen McRae war eine der fünf bedeutendsten Sängerinnen des Jazz der 50er Jahre. Außer ihr waren das Billie Holiday, Ella Fitzgerald, Sarah Vaughan und Anita O’Day. Ihr großes Vorbild war Billie Holiday. Doch es lag ihr fern, „Lady Day“ zu imitieren. Deren Fähigkeit, Texte so klingen zu lassen, als hätte sie die Worte am eigenen Leib empfunden und die Art ihrer Phrasierung imponierten ihr sehr. Doch schon bald entwickelte sie ihren eigenen, markanten stimmlichen Ausdruck, der zwischen einer bitteren Süße und ironischen Witz changierte. Ihr Rhythmusgefühl war ebenso frappierend wie das ihres Idols. Zudem war sie eine sehr kompetente Pianistin, die ihr Können gern in Zugaben bei Konzerten demonstrierte. Ansonsten ließ sie sich von einem Piano-Trio begleiten.
Nicht nur Sängerin, auch gute Pianistin
1920 in New York geboren und als Pianistin ausgebildet, war Carmen McRae wie ihre Kolleginnen als Big-Band-Sängerin bekannt geworden. Ihre ersten Aufnahmen machte sie unter dem Namen „Carmen Clarke“, weil sie kurzzeitig mit dem Bebop-Schlagzeuger und -Innovator Kenny Clarke verheiratet war. Danach machte sie bei kleineren Firmen Platten unter ihrem eigentlichen Namen, wurde bekannter und schließlich von den großen Labels „Decca“, „Atlantic“ und Columbia unter Vertrag genommen. Dabei schöpften sie und ihre Produzenten vorwiegend aus dem Fundus des „Great American Songbooks“. Nun trat sie regelmäßig mit ihrem Trio in den USA und auf vielen Tourneen in Europa und Japan auf. In den 60ern und 70ern spielte sie Platten für die Jazzmarken „Mainstream“ und „Concord“ ein. Ihren letzten Vertrag hatte sie bei „RCA Novus“.
Carmen Sings Monk: Ein Meisterwerk!
Für dieses Label nahm sie 1988 „Carmen Sings Monk“ auf – ein Meisterwerk, das der Musik Monks ebenso gerecht wird wie ihrer Stellung als „echte“ und pure Jazzsängerin. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie längst eine Position als unbestechliche und nicht zu verbiegende Künstlerin erreicht wie sonst nur Betty Carter und die erst vor kurzem verstorbenen Sheila Jordan. Das hielt sie nicht davon ab, populäre Songs wie „The Sound of Silence“ in ihr Repertoire aufzunehmen.
1994 starb die an Krebs erkrankte große Jazzmusikerin an einem Schlaganfall.
