Bob Mintzer

Bob Mintzer
Die Zeit zum Schlafen sei bei ihm knapp. Nicht, weil er ein ausschweifendes Leben führe. Sein Leben bestehe (fast) ausschließlich aus Musik. Üben, komponieren, Auftritte in den unterschiedlichsten Zusammenhängen, Studioarbeit, lehren, arrangieren – alle Facetten eines überreichen Musikerlebens schöpft Bob Mintzer (geb. 1953) aus. Anekdoten oder Skandale sind über ihn nicht bekannt, kurz, er ist durchgängig professionell und deshalb ein ebenso gesuchter wie geschätzter Musiker.
Seine erste Liebe galt der Gitarre. Weil im Schulorchester dafür kein Platz war, bekam er die Klarinette zugewiesen. Als er die großen Tenoristen des Jazz gehört hatte, wechselte er zum Tenorsaxophon. Dabei orientierte er sich an Vorbildern wie Lester Young und John Coltrane. In den Siebzigern war er Sideman in den Bands von Deodato, Tito Puente, Louis Bellson und Buddy Rich. Besonders seine Mitgliedschaft im „Thad Jones/Mel Lewis Orchestra“ beeinflusste seine spätere Arbeit als Leiter und Arrangeur von Big Bands. Doch nicht nur in großen Formationen – sogar Sinfonieorchestern – hinterließ er seine Spuren. Er spielte mit Jaco Pastorious und Mike Mainieri, leitete seit 1978 seine eigene Band und wurde 1991 Mitglied der überaus erfolgreichen „Yellowjackets“, die einen an Fusion orientierten Jazz spielten. Mit ihm an Bord verstärkte sich der Anteil des Jazz im Stil der Band und bewahrte ihre Musik vor einer Tendenz zum „Smooth Jazz“.
Neben dem Tenorsaxophon und der Klarinette setzt Mintzer oft das „EWI“ ein. Dabei handelt es sich um einen „Blaswandler“, der die ins Instrument geblasenen Töne mit Hilfe elektronischer Apparaturen in Klänge umsetzt. Mintzer versteht es, darauf geschmackvoll zu improvisieren und es sogar in den Klangkörper einer konventionell besetzten Big Band zu integrieren.
Überhaupt: Bob Mintzer brennt für Big Band-Jazz. Seit 2016 ist er Chefdirigent der Big Band des Westdeutschen Rundfunks (WDR) in. Mit ihr stellt er Programme aus eigenen und Fremd-Kompositionen zusammen, die immer wieder Aufsehen auf Festivals und bei Konzerten erregen. Er würdigt dabei das Andenken solcher Größen wie John Coltrane oder Count Basie (dessen Band das Synonym für „Swing“ sei, so Bob Mintzer). Dabei tritt er auch als Solist mit dem Orchester in Erscheinung. Sein Vertrag wurde bis 2026 verlängert.
Welch ein Gewinn für den deutschen und europäischen Jazz.
