August 2026

Charlie Mariano

Der US-Amerikaner Charlie Mariano genoss weltweit eine immense Anerkennung. Ähnlich wie Miles Davis nahm er während seiner langen Laufbahn immer wieder neue, aktuelle Impulse in seine Musik auf und veränderte sich stets.

Von der Westküste nach Japan

1923 in Boston geboren und aufgewachsen, war der Altsaxophonist schon Anfang der 50er Jahre ein Top-Musiker der sehr aktiven Bostoner Szene. Wie viele Bopper war er stark von Lester Young beeinflusst. Der Ellington-Altist Johnny Hodges war sein Vorbild. Von Boston aus ging er an die Westküste, wo er sich erst mit dem Orchester Stan Kentons und später in der Band Shelly Mannes profilierte. 1959 heiratete er die Pianistin Toshiko Akiyoshi, mit der er das „Toshiko Mariano Quartet“ bildete. Zeitweise lebte und musizierte das Paar in Japan. Die Ehe ging 1967 auseinander. Toshiko wurde die weltbekannte Leiterin der „Toshiko Akiyoshi – Lew Tabackin Big Band“.

Mingus, dann Indien, schließlich Köln

Mariano spielte eine wichtige Rolle in dem Charles-Mingus-Meisterwerk „The Black Saint and the Sinner Lady“. Sein intensiver hochemotionaler Ausdruck, verbunden mit einem ausgeprägten Swing-Feeling, passte perfekt zur Musik des Gefühlsmenschen Mingus. Danach bereiste, studierte und lehrte Mariano in Malaysia, in Indien und immer wieder in Europa. Er wurde ein Weltmusiker, lernte ein indisches Blasinstrument – das Nagaswaram – und nahm zunehmend das Sopransaxophon sowie die Flöte in sein Instrumentarium auf. Bis zum Ende seines Lebens tourte er immer wieder mit der südindischen Band „Karnataka College of Percussion“, mit der er Jazz und klassische indische Musik verband. Mit den Bands „Embryo“ und Jasper van’t Hofs „Pork Pie“ spielte er Rockjazz. In der Folge trat er mit allen führenden Musikern Europas auf, z. B. mit Eberhard Webers Colors, Dieter Ilg, dem United Jazz and Rock Ensemble, aber auch – in einer längeren Zusammenarbeit – mit dem Liedermacher Konstantin Wecker. Seine Aktivitäten kannten augenscheinlich keine Grenzen. Seit 1986 lebte er fest in Köln.

Viele Auftritte in Braunschweig und im Schlucklum

Ich bin sicher, dass Mariano mit seiner offenen Haltung zur Musik der Welt unzählige Menschen für Jazz und jazzverwandte Spielarten gewinnen konnte.

Die Freundinnen und Freunde des Jazz und der Weltmusik in der Region Braunschweig hatten zahlreiche Gelegenheiten, Charlie Mariano zu erleben. Mehrfach trat er im legendären „Schlucklum“ in Lucklum auf, außerdem begeisterte er das Publikum bei Konzerten der Musikerinitiative Braunschweig im Städtischen Museum.

2009 starb dieser musikalische Welten-Eroberer in Köln.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.