Gerry Mulligan

Weltbekannt wurde der Baritonsaxophonist Gerry Mulligan (geb. 1927) Anfang der 50er Jahre mit seinem legendären pianolosen Quartett in Kalifornien. Die Band mit dem Trompeter Chet Baker war eine der Keimzellen des erblühenden West Coast Jazz. Dabei hatte der New Yorker Mulligan sich schon zuvor in seiner Heimatstadt als Arrangeur und Komponist einen gewichtigen Namen gemacht. Noch als Teenager beschäftigten ihn die prominenten Bandleader Gene Krupa und Claude Thornhill als Arrangeur. Bei Thornhill, dessen Bigband neben dem üblichen Instrumentarium Waldhörner und Tuba einsetzte und damit einen ganz charakteristischen Sound hatte, lernte er den ebenfalls dort als Arrangeur tätigen Gil Evans kennen. Mit ihm und anderen jungen Bop-Musikern transformierte Mulligan den Thornhill-Klang in das Miles-Davis-Projekt, das 1949 als „Birth of the Cool“ in die Geschichte des Jazz einging. Mulligan – das wird bis heute oft vergessen – schrieb die Mehrzahl der epochalen Arrangements (1992 nahm er alle Stücke noch einmal unter dem Titel „Re-Birth of the Cool“ auf)!
Giant of Jazz
Mulligan – genannt Jeru – war der größte Baritonsaxophonist des Jazz. Er ließ das Instrument leicht, flüssig und elegant wie ein Altsaxophon klingen und war gleichwohl in der Lage, rau und zupackend wie ein Hardbopper zu spielen. In den 50ern des vergangenen Jahrhunderts brachten ihn seine Plattenproduzenten mit zahlreichen anderen Instrumentalisten des Swing, Bop und Cool zusammen. Er liebte diese Treffen mit Musikern wie Paul Desmond, Stan Getz, Thelonious Monk, Johnny Hodges oder Ben Webster und ließ auch keine Gelegenheit aus, bei Auftritten von Kollegen auf deren Bühne zu eilen und sein Horn zu spielen. Das kam nicht immer gut an.
Die Liebe zur Großformation
Sein Quartett ohne Piano betrieb er – ohne Chet Baker – mit Erfolg weiter. Doch Jerus Herz hing an den größeren Formation. Mit erheblichem künstlerischen Erfolg gründete er die „Gerry Mulligan Concert Jazz Band“. Diese Big Band ohne Piano klang so luftig und transparent wie man es zuvor noch nicht von einer großen Besetzung gehört hatte. Leider lebte dieses Orchester nur wenige Jahre und musste aus Kostengründen 1963 aufgelöst werden.
Zusammen mit Dave Brubeck
Mulligan arbeitete die nächsten Jahre ohne eigene feste Band, legte Filmkompositionen vor oder Orchesterstücke. 1968 wurde er für einige Jahre Sideman in der Band seines Freundes Dave Brubeck, das als „The Dave Brubeck Trio featuring Gerry Mulligan“ firmierte. Es gefiel ihm, ohne die Pflichten eines Bandleaders als Starsolist präsentiert zu werden. Die Zusammenarbeit brachte einige schöne Platten hervor, u. a. den Mitschnitt eines umjubelten Auftritt bei den Berliner Jazztagen 1970.
The Age of Steam
Danach trat er wieder mit eigenen Projekten und Bands in Erscheinung. 1971 legte er mit „The Age of Steam“ ein weiteres Meisterwerk vor, bei dem er auch sparsam die damals aktuellen Fusion-Elemente in einer größeren Studio-Besetzung verarbeitete. Der Titel (und die der Stücke) spielt auf Mulligans Leidenschaft für die Eisenbahn an. Mit seinen Bands, jetzt stets mit Piano, bereiste er als Elder Statesman des swingenden Jazz die Welt.
1996 starb dieser „Giant of Jazz“ krebskrank an den Folgen einer Knieoperation.
